Flüssige Kraftstoffe wie Benzin

alte Tankstation
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Eigenschaften und toxikologische Wirkung:


Motorenbenzin ist 
gesundheitsschädlich, hochentzündlich und umweltgefährlich. Es kann Benzol enthalten – eine krebserregende Substanz, der man auch beim Zigarettenrauchen ausgesetzt ist. Benzol kann leicht über die Haut und die Lungen aufgenommen werden.

Benzin ist niedrigviskos und hochvolatil. Das bedeutet, dass es sehr dünnflüssig ist und leicht verdunstet. Durch diese Eigenschaften kann es beim Schlucken sehr leicht einen Weg in die Luftröhre und damit in die Atemwege finden (Aspiration). Akutes Husten bis hin zur Atemnot ist möglich. Es kommt zu einer sogenannten chemischen Lungenentzündung (Aspirationspneumonie).


Was tun im Notfall?

Benzin verschluckt:

  • Kein Erbrechen herbeiführen.
  • Mund ausspülen.
  • 1  – 2 dl klare, fettfreie Flüssigkeit trinken, z.B. Wasser.
  • Bei Zeichen der Aspiration wie anhaltendem Husten mit Atemnot sofortige Arztkontrolle, ggf. Rettungssanität aufbieten (Notruf 144).


Benzin ins Auge gespritzt:

  • Kontaktlinsen entfernen.
  • Das Auge sofort mit sauberem, lauwarmem Wasser für 10 – 15 Minuten ausspülen.
  • Dabei die Augenlider gut mit den Fingern offen halten und das Wasser aus etwa 10 cm Entfernung vom inneren Augenwinkel nach aussen über das Auge fliessen lassen.
  • Wenn Ihr Kind betroffen ist: Bitten Sie jemanden um Hilfe bei der Augenspülung.
  • Bei Unsicherheiten fragen Sie eine Augenarztpraxis oder Tox Info Suisse.


Benzindämpfe inhaliert:

  • Die betroffene Person an die frische Luft bringen.
  • Für frische Luft sorgen. 

Benzin auf der Haut:

  • Benetzte Kleidung sofort ausziehen.
  • Die betroffene Hautpartie ausgiebig mit fliessendem, sauberem und lauwarmem (Seifen-)Wasser spülen.
  • Bei Reizsymptomen Behandlung wie bei einem Sonnenbrand oder einer Verbrennung.


Symptome

Nach Verschlucken kleiner Mengen:

  • Brennen im Mund, Würge- oder Hustenreiz.
  • Leichte Magen-Darm-Symptome (Übelkeit, Erbrechen, Durchfall) und langanhaltendes Aufstossen.
  • Wenn Benzin in die Lungen gelangt: akutes Husten, Atemprobleme bis hin zur Atemnot, chemische Lungenentzündung (Aspirationspneumonie)
    Hinweis: Lungenbeschwerden können in seltenen Fällen erst nach bis zu drei Tagen auftreten.

Nach Augenspritzern:

  • Rasch eintretende und meistens leichte Reizwirkung: Rötung, Tränen, Brennen.
  • Die Symptomatik und der Verlauf hängen wesentlich von der raschen, ausgiebigen (10–15 Minuten) und korrekten Augenspülung ab.


Nach Hautkontakt:

  • Bei einmaligem, kurzem Hautkontakt und gutem Spülen ist das Benzin lediglich reizend und etwas entfettend, Verätzungen sind nicht zu befürchten.

Benzindämpfe inhaliert:

  • In der Regel leichte und rasch vorübergehende Symptome wie Benommenheit, Schwindel, Kopfschmerzen und Übelkeit.
  • Leichte Reizung der Atemwege wie z.B. Husten, leichte Atembeschwerden.
  • Bei längerdauernder und intensiver Exposition, besonders in geschlossenen Räumen: Bewusstseinsverlust, Herzrhythmusstörungen, im schlimmsten Fall kann es zu einem plötzlichen Herzstillstand kommen. 

Wann sollte eine ärztliche Kontrolle erfolgen?

Etwas Benzin im Mund oder nach Verschlucken von Benzin:

  • Bei anhaltendem Husten, Atemproblemen und stark ausgeprägten Magen-Darm-Beschwerden.
  • Hinweis: Lungenbeschwerden können in seltenen Fällen erst nach bis zu drei Tagen auftreten. 

Benzin ins Auge gespritzt: 

  • Falls Beschwerden wie Fremdkörpergefühl, starke Rötung oder Schmerzen nach der Spülung bestehen bleiben oder sich verschlimmern.


Benzindämpfe inhaliert:

  • In der Regel lassen die Symptome nach Verlassen der Gefahrenquelle und an der frischen Luft rasch nach.
  • Bei schweren Symptomen wie z.B. Bewusstseinsverlust Rettungssanität aufbieten (Notruf 144).


Benzin tanken
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Prävention

Allgemeine Sicherheitsempfehlungen:
  1. Offenes Feuer und Funken vermeiden – Benzin ist hochentzündlich. Nicht rauchen und keine offenen Flammen oder Funkenquellen in der Nähe haben.
  2. Arbeiten mit Benzin nur in gut belüfteten Bereichen.
  3. Nicht in Wohnräumen lagern – Benzin sollte in einem gut belüfteten, kühlen und feuerfesten Raum aufbewahrt werden.
  4. Vermeiden Sie das Einatmen von Benzindämpfen.
  5. Füllen Sie niemals Benzin oder andere chemische Substanzen in Getränkeflaschen ab. Die Gefahr ist zu gross, dass z.B. ein Kind davon trinkt.
  6. Klären Sie Kinder frühzeitig über die Gefahren von Benzin auf – viele finden den Geruch sehr verlockend.
Nach dem Tanken des falschen Kraftstoffs:
  1. Saugen Sie niemals Benzin oder Diesel mit dem Mund durch einen Schlauch an.
  2. Haben Sie den falschen Kraftstoff getankt, lassen Sie den Tank am besten fachmännisch entleeren (Pannenhilfe, Autogarage).
  3. Falls Sie Kraftstoff selbst absaugen wollen, informieren Sie sich vorgängig über die richtige Vorgehensweise und verwenden Sie ausschliesslich spezialisierte Werkzeuge wie zum Beispiel eine Pumpe.
Umgang mit verschüttetem Benzin:
  1. Verschüttetes Benzin sofort aufwischen – mit einem saugfähigen Tuch oder Bindemittel aufnehmen und sicher entsorgen.
  2. Bei grösseren Mengen Feuerwehr verständigen.
  3. Keine Abflüsse oder Kanalisation verunreinigen – Benzin darf nicht ins Abwasser gelangen.

Weitere Informationen

Vorsicht im Umgang mit Motorenbenzin (bag.admin.ch): Mit Factsheet, Flyer und Ratgeberkolumne Benzin (letzte Änderung 08.08.2018).


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März 2025