Mein Kind hat eine Zigarette gegessen!


Kind mit Zigarette
Foto: wrzesientomek auf iStock

Haben Sie sich schon über leichtsinnig weggeworfene Zigaretten auf Spielplätzen und Rasenanlagen geärgert? Tox Info Suisse verzeichnet in den Sommermonaten gehäuft Unfälle mit gegessenen Zigaretten oder Stummeln bei Kleinkindern. Aber nicht nur draussen, sondern auch zuhause schnappen sich Kinder Zigaretten vom Esszimmertisch, aus Handtaschen und selbst aus einem unappetitlichen Aschenbecher. 



In der Praxis verlaufen Zigarettenvergiftungen bei Kleinkindern meistens milde


Meistens verlaufen Vergiftungen mit Zigaretten beim Kleinkind milde, auch wenn bereits eine kleine Menge Zigarettentabak Erbrechen verursachen kann. Tox Info Suisse hat bis anhin keine schweren oder gar tödlichen Fälle mit gegessenen Zigaretten registriert.

Dies obwohl eine Zigarette etwa 8 – 20mg Nikotin enthält: in reiner Form eine beachtliche Menge an Nikotin für ein Kleinkind. Dass Zigarettenunfälle meist milde verlaufen liegt zum einen am Magen mit seiner Magensäure. Das Nikotin aus dem Zigarettentabak wird in der sauren Magenumgebung schlecht aus dem Tabak gelöst und in den Blutkreislauf aufgenommen. Es gelangt also nicht die ganze Nikotinmenge aus dem Zigarettentabak in den Blutkreislauf. Zum anderen verringert das häufig spontan und rasch auftretende Erbrechen die weitere Nikotinaufnahme gewissermassen auf «natürlichem Weg».  

Trotzdem sollte man ein Kind nach dem Essen von Zigaretten nie zum Erbrechen bringen.  Der dadurch verursachte Schaden ist grösser als der erwartete Nutzen.



Im Notfall

  • Reinigen Sie den Mund Ihres Kindes von Tabakresten.
  • Geben Sie ihm 1 2 dl fettfreie Flüssigkeit zu trinken.
  • Aktivkohle nur nach Rücksprache mit Tox Info Suisse oder einer Ärztin resp. einem Arzt.


Ausgeprägte Symptome sind bei einem einjährigen Kind ab zwei gegessenen Zigaretten oder sechs Stummeln möglich


Erst dann rät Tox Info Suisse in der Frühphase zum Trinken von Aktivkohle und zur ärztlichen Kontrolle. Die Aktivkohle (Flüssigkohle) bindet das Nikotin im Magen und verringert dadurch die Nikotinaufnahme in den Blutkreislauf. Auch bei ausgeprägten Symptomen (z.B. mehrfaches Erbrechen, starke Unruhe, Bewusstseinsveränderung) rät Tox Info Suisse zur ärztlichen Kontrolle. 

Weitere Informationen



Achtung!


Dieser Text über Zigarettentabak gilt nicht für andere nikotinhaltige Produkte wie Pfeifen-, Zigarren- oder Kautabak, Nikotinkaugummi oder –pflaster, nikotinhaltige Flüssigkeiten (Liquids für E-Zigaretten oder Flüssigkeiten, in denen Zigaretten liegen) oder cannabishaltige Produkte (z.B. Joints). In diesen Situationen besteht möglicherweise eine erhöhte Giftigkeit. Kontaktieren Sie Ihre Kinderarztpraxis oder Tox Info Suisse!











Aktualisiert: März 2023