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Anstieg Suizidversuche bei Jugendlichen

Medienmitteilung vom 4. August 2022


Unter der Notrufnummer 145 erhalten Private und Fachpersonen rund um die Uhr Auskunft zu Vergiftungen. Die Stiftung «Tox Info Suisse», welche die Notrufnummer betreibt, veröffentlicht heute ihren Jahresbericht 2021. Die Zahl der Beratungen des vergangenen Jahres liegt im Schnitt der früheren Jahre, jedoch wurde seit Beginn der Pandemie die Website www.toxinfo.ch viel häufiger besucht. Speziell hervorzuheben ist auch ein Anstieg der Suizidversuche bei Jugendlichen, weswegen das Brennpunkt-Thema im Jahresbericht diesem Thema gewidmet ist.

2021 hat Tox Info Suisse 39 584 Beratungen durchgeführt. Das entspricht pro Tag knapp 110 Anrufen. Die Anzahl der Anrufe liegt somit im Schnitt der vergangenen Jahre, wohingegen die Besucherzahlen der Website www.toxinfo.ch signifikant gestiegen sind, nämlich auf 666 000 (+3 % gegenüber 2020, +32 % gegenüber 2019). Diese Zahlen weisen auf das grosse Interesse der Bevölkerung hin, speziell seit Beginn der Pandemie.

Viele Parameter der Anrufstatistik haben sich auch im Jahr 2021 nicht gross verändert gegenüber den Vorjahren. Hervorzuheben ist jedoch ein Anstieg von 8 % bei Anfragen seitens Spitalärzten sowie vermehrte Anfragen zu Suizidversuchen bei Jugendlichen.

Aus der Anrufstatistik:

  • Wer ruft an?
    -> Gut zwei Drittel (70 %) der Anfragen kamen aus der Bevölkerung, ein Viertel von 
    medizinischen Fachpersonen und 5 % von weiteren Stellen. 

  • Wer ist von der Vergiftung betroffen?
    -> 54 % aller Anfragen betrafen Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre, wobei wiederum 
    ein Grossteil davon (81 % der Anrufe zu Kinder und Jugendlichen) Kinder unter 5 
    Jahren betrifft. 
    -> Geschlechtsverteilung: Bei Kindern gibt es ein leichtes Überwiegen der Knaben
    (51% vs. 49%), bei den Erwachsenen liegt der Anteil der Frauen deutlich höher
    (59 % vs. 41 %). 
    -> 4% aller Anfragen betrafen Tiere, allen voran Hunde und Katzen (75 % bzw. 19 %
    aller Tierberatungen).
    Medien-Mitteilung 04.08.2022 2/22

  • Wie sind die Vergiftungen passiert?
    -> Vergiftungen werden in akut unfallbedingt (d.h. nicht beabsichtigt) (79%), 
    akut beabsichtigt (15%), chronisch (3%) und andere (3%) unterteilt. 
    -> Die meisten unfallbedingten Vergiftungen finden im häuslichen Umfeld statt, bei 
    den beabsichtigten Intoxikationen trat die grösste Anzahl im Rahmen von 
    Suizidversuchen auf.

  • Um welche Gifte handelt es sich?
    -> Medikamente und Haushaltsprodukte machen gut 60% der Vergiftungen aus.
    -> Die 260 schweren Intoxikationen im Jahr 2021 wurden hauptsächlich durch 
    Medikamente, aber auch durch Genussmittel, Drogen und Alkohol verursacht. 
    -> Es gab 13 Todesfälle, alle bei Erwachsenen, wovon acht durch Medikamente, zwei 
    durch Drogen und je einer durch Reinigungsmittel, Chemikalien und eine Pflanze 
    bedingt waren. Bei den zwei verstorbenen Tieren war einmal ein 
    Nahrungsergänzungsmittel und ein andermal ein Schlangenbiss die Ursache.

Aktuelles Brennpunkt-Thema: Suizidversuche bei Jugendlichen

Tox Info Suisse hat die Anfragen bezüglich Suizidversuchen der letzten Jahre unter die Lupe 
genommen und kommt zu ähnlichen Schlüssen wie andere Institutionen, welche sich mit der 
psychischen Gesundheit von Menschen, insbesondere Jugendlichen, beschäftigen.

Anfragen zu Suizidversuchen bei Jugendlichen haben ab Herbst 2020 signifikant zugenommen. 
Besonders ausgeprägt ist die Zunahme bei Kindern und Jugendlichen unter 15 Jahren: in dieser 
Altersgruppe hat eine Verdoppelung der Anfragen stattgefunden. Interessanterweise sah Tox 
Info Suisse während des ersten Lockdowns mit Schliessung der Schulen im Frühling 2020 noch 
keinen Anstieg der Anfragen.
Junge Menschen verwenden bei Suizidversuchen oft einfach verfügbare Schmerzmittel aus der 
Hausapotheke wie Paracetamol oder Ibuprofen. Paracetamol-Intoxikationen sind medizinisch 
und gesundheitspolitisch relevanter, da sie unbehandelt zu einem Leberversagen führen 
können und deshalb häufig eine Hospitalisation zur Therapie mit einem Antidot notwendig ist.

Der Jahresbericht 2021, sowie weitere Informationen zu den einzelnen Themen sowie detaillierte 
Statistiken sind auf unserer Website (www.toxinfo.ch) zu finden.


Auskunft zum Jahresbericht erteilen:
Dr. med. Cornelia Reichert (Leitende Ärztin) 
Dr. med. Colette Degrandi (Stv. Leiterin Auskunftsdienst)



Tox Info Suisse
Freiestrasse 16, CH-8032 Zürich
Tel.: +41 44 251 66 66
E-Mail: info@toxinfo.ch